DIEREUTERS.DESchnittstelle: Mensch ↔ Maschine
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2026-10-29 · 6 min

Comita: das CRM+, das ich für uns gebaut habe

Warum aus heycomita ein eigenes CRM+ geworden ist, was Comita heute kann und warum man es noch nicht kaufen kann.

ComitaCRMSoftwarebogati24CuraLogik

Unser Alltag lief lange über zu viele Fenster. Die Mails lagen bei Google, die Kontakte auch, die Aufgaben in einem Werkzeug, das kaum jemand öffnete, die Rechnungen für bogati24 in einem ungarischen Abrechnungsprogramm, die Zahlungen für CuraLogik bei Stripe. Ein fertiges CRM hatten wir sogar schon aufgesetzt. Benutzt haben wir es nie. Es passte nicht zu einer Familie, die gleichzeitig ein Eventhaus in Ungarn, ein Softwareprodukt in Deutschland und ein ganz normales Privatleben in zwei Sprachen organisiert.

Also habe ich ein eigenes gebaut, ein CRM+. Es heißt Comita, läuft unter crm.diereuters.de und ist seit Oktober 2026 jeden Tag in Benutzung. Der Name kommt von heycomita, unserer ersten Idee eines Dienstes, der Technik für Menschen bedienbar macht. Der Gedanke ist geblieben, nur das Feld hat sich verschoben: Comita macht nicht mehr das Zuhause bedienbar, sondern die Arbeit.

Ein Login, mehrere Betriebe

Der Kern ist unspektakulär und gerade deshalb wichtig. Comita kennt Mandanten, bei uns sind das der private Bereich, bogati24 und CuraLogik. Wer sich anmeldet, sieht alle Bereiche, in denen er Mitglied ist, und filtert mit einem Fingertipp. Eine Firma gibt es dabei nur einmal: Wenn derselbe Lieferant für das Eventhaus und für die Familie arbeitet, steht er nicht doppelt im System. Getrennt bleiben die Vorgänge, also Mails, Termine, Angebote und Rechnungen. Private Kontakte, etwa Ärzte oder Familie, sieht nur, wer im privaten Bereich Mitglied ist. Diese Trennung erzwingt die Datenbank selbst, nicht bloß die Oberfläche.

Angemeldet wird mit Passkey, also mit Fingerabdruck oder Gesichtserkennung am Handy. Ein Passwort gibt es nicht. Comita ist von Anfang an für das Telefon gebaut, weil Christina und ich die meiste Zeit nicht am Schreibtisch sitzen.

Kontakte, Mail und Kalender an einem Ort

Kontakte und Firmen lassen sich aus Google übernehmen, von Hand anlegen oder von einer Visitenkarte abfotografieren. Ein Knopf ergänzt fehlende Angaben aus dem Internet, jeweils mit Quelle, und übernimmt erst, wenn ich zustimme. Die Suche findet „Bogáti“ auch dann, wenn man „Bogati“ tippt, und warnt vor Dubletten.

Die Postfächer hängen direkt am System. Eingehende Mails landen beim richtigen Kontakt und der richtigen Firma, unbekannte Absender werden als neue Kontakte vorgeschlagen. Die KI fasst lange Verläufe zusammen, übersetzt zwischen Deutsch und Ungarisch und schreibt Antwortentwürfe. Abschicken muss ich selbst. Der Kalender gleicht sich mit Google ab, in beide Richtungen, und Termine hängen am Kontakt. Aufgaben lassen sich verteilen, und wer eine bekommt, erfährt es per Telegram.

Vom Angebot bis zur Rechnung

Für bogati24 entstehen Angebote und Rechnungen direkt in Comita, auf Ungarisch oder Deutsch, mit eigenen Nummernkreisen und sauberem Storno. Einnahmen und Ausgaben werden erfasst, Belege liegen als Dokument daneben. Im Vertrieb hat jeder Interessent einen Vorgang mit Phase und nächstem Schritt, verknüpft mit Mails, Terminen und Angeboten. Kampagnen und Beiträge für soziale Netzwerke entwirft die KI, ich gebe sie frei, danach laufen sie zur geplanten Zeit.

Dokumente und Wissen

Dokumente werden verschlüsselt abgelegt, gelesen, auch wenn es nur ein Scan ist, und mit Kontakt, Firma oder Rechnung verknüpft. Für Belege rechnet Comita die Aufbewahrungsfrist aus und meldet, wenn sie abgelaufen ist. Gelöscht wird nur von Hand. Unseren alten Bestand aus Paperless übernimmt ein Import samt Schlagworten und Korrespondenten.

Darauf sitzt eine Fragefunktion. Man kann Comita fragen, wo der Mietvertrag mit einem bestimmten Kunden liegt oder wie eine Funktion bedient wird, und bekommt eine Antwort mit Quellenangabe. Findet das System keinen Beleg, sagt es das, statt etwas zu erfinden. In fast jedes Textfeld kann man außerdem hineinsprechen, statt zu tippen.

Zwei Stimmen am Telefon

Das Ungewöhnlichste ist der Telefon-Assistent. Bei bogati24 nimmt Gábor auf Ungarisch ab, bei CuraLogik Ramona auf Deutsch. Beide beantworten Fragen, nehmen Anfragen auf, buchen Vorführungen und schlagen Rückrufe und Erinnerungen vor. Ausgehende Anrufe und SMS starten nie von selbst. Jeder einzelne braucht mein Daumen-hoch, und ein Kontakt kann mit einem Häkchen ganz von Anrufen ausgenommen werden.

Das ist der Grundsatz, der sich durch alles zieht: Die KI schlägt vor, ein Mensch entscheidet. Fremde KI-Dienste sind je Bereich zunächst abgeschaltet und müssen bewusst freigegeben werden. Ich halte das nicht für übertriebene Vorsicht. Ein System, das in meinem Namen Kunden anruft, muss sich dieses Vertrauen erst verdienen.

Warum man Comita noch nicht kaufen kann

Comita ist im Einsatz, aber es ist kein Produkt. Das ist ein Unterschied, den ich nicht verwischen möchte. Ein System, mit dem wir selbst arbeiten, verzeiht vieles, weil ich jeden Fehler am nächsten Morgen behebe. Wer Comita für seinen eigenen Betrieb kauft, braucht mehr: eine Kundenebene mit Tarifen und Abrechnung, einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung, einen geregelten Support-Zugang, ein sauberes Einrichten neuer Kunden und den vollständigen Export oder die Löschung aller Daten auf Wunsch. Die Architektur ist dafür vorbereitet, gebaut ist es noch nicht.

Bis dahin ist Comita das, was es sein soll: das Werkzeug, das unsere Betriebe zusammenhält. Wer sich für Comita interessiert, weil er vor demselben Durcheinander aus Fenstern sitzt, darf mir gern schreiben. Ich verspreche keinen Liefertermin. Aber ich höre gern, was andere brauchen, bevor ich entscheide, ob daraus ein Produkt wird.

— Andreas Kurt Peter Reuter